vastr – Das Open Source-Spritz aus NRW

by • 10. April 2014 • NewsComments (2)3679

Lesen wie Data vom Raumschiff Enterprise. Für viele, die jeden Tag Berge an Buchstaben aufnehmen müssen, kann das zur Belastung werden. Wie man wesentlich schneller lesen und damit der Lesegeschwindigkeit von Data ein bisschen näher kommen kann, zeigen neue Ansätze, wie sie Spritz oder vastr verfolgen. Dabei nutzen sie den Effekt, das unser Gehirn nicht jeden Buchstaben liest, um ein Wort zusammen zu setzen, sondern das Wort als Bild abspeichert. Das Projekt Vastr hat dabei einen ähnlichen Ansatz wie Spritz. Sie wollen ihre Software aber als OpenSource zur Verfügung stellen.
Thomas Belkowski von vastr erklärt ihr Projekt im Interview.

Wer seid ihr, was macht ihr, was habt ihr gelernt?

Hinter Vastr stecken ich (Thomas Belkowski), selbstständiger Web-Entwickler und Informatik Student an der FH Aachen, und Johann Schütz, Wirtschaftsinformatik Student an der FH Osnabrück, der mich als Entwickler unterstützt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen Vastr zu bauen?!

Ich hatte Anfang März von Spritz gelesen und ich war sofort begeistert. Die Enttäuschung war allerdings groß, als sich herausstellte, dass hinter dem Bereich „Developers“ im Endeffekt nur ein Anfrage-Formular vorhanden war, um Spritz selber zu benutzen. Da ich das Release nicht abwarten konnte, fing ich spontan mit Bier, Zettel und Stift an. Nach 24h waren dann das Konzept für Vastr und der erste Prototyp fertig.

Was macht Vastr?

Mit Vastr ist es bei gleichbleibendem Textverständnis möglich seine Lesegeschwindigkeit zu steigern. Als theoretische Grundlage dient dabei die „Rapid Serial Visual Presentation“ (RSVP), eine Technik, die darauf abzielt, auf einem Display schnell lange Texte lesen zu können. Dabei wird ein beliebiger Fließtext genommen und anschließend Wort für Wort dargestellt, wobei über eine geschickte Positionierung die zeitraubende Augenbewegung vermieden wird.

Was unterscheidet Vastr von seinen Mitkonkurrenten?

Da wir mit Vastr noch am Anfang stehen, unterscheiden wir uns auf den ersten Blick kaum von anderen bisherigen Lösungen. Wir arbeiten aber daran, sowohl die Lesequalität als auch den Funktionsumfang zu optimieren. Die Grundidee war von Anfang an Vastr qualitativ hochwertig und mit aktuellen Techniken als Open Source Projekt aufzuziehen. Das Ziel ist es, Vastr mit einer Vielzahl von einfach einzubindenden Möglichkeiten anzubieten: Die „Vastr Server Edition“ kann von jedem in einfachen Schritten in seine Webseite integriert und von den Usern sofort intuitiv genutzt werden. Aktuell arbeiten wir an der „Vastr Live Edition“, die zunächst als Bookmark jegliche Texte von Internetseiten (oder PDF-Dateien) über Vastr darstellen kann. Zusätzlich möchten wir auch weitere kleine Features direkt auf der Internetseite anbieten, wie aktuell die Möglichkeit, jeden beliebigen Text im Bereich Demonstration“ einzugeben und mit Vastr zu lesen.

Wie sind die Reaktionen auf euer Projekt?

Manchmal kommt als erstes die Frage, worin der Unterschied zu den Mitkonkurrenten besteht. Davon abgesehen sind die Reaktion aber alle sehr positiv und meist ist mit dem tollen Feedback auch noch der ein oder andere Verbesserungswunsch verknüpft, dank denen Vastr mit jeder neuen Version immer besser funktioniert. Wir hoffen, dass wir weiterhin so tolles und konstruktives Feedback erhalten!

Wollt ihr daraus ein Business machen und wie könnte das aussehen?

Vastr soll so, wie es aktuell läuft, kostenlos und Open Source bleiben. Wir konzentrieren uns aktuell auch primär auf die Verbesserung / Erweiterung. Dabei entstehen immer wieder neue Ideen zustande, die z.B. nicht direkt in den aktuellen Vastr Versionen umgesetzt werden können. Daher könnte es passieren, dass in Zukunft vielleicht eine Art „Premium“-Variante dabei herauskommt, mit der wir auch beim Freemium Modell wären. Aber das ist bisher rein spekulativ, es werden gerade viele Optionen abgewägt, ob und wie daraus ein Business werden könnte, weshalb ich
diesen Punkt noch möglichst offen halten will. 😉

Wie sieht das mit einem Patent aus? Euer Mitbewerber hat da ja schon einen Antrag laufen. Wie geht ihr mit dem Problem um?

Software-Patente sind immer eine sehr schwierige Geschichte. Dazu kommt aber noch, dass es zu diesem Thema bereits vor 20 Jahren öffentliche Forschungsergebnisse gab und das Prinzip im Allgemeinen unter „Rapid Serial Visual Presentation“ sogar verbreitet ist. Es bleibt also spannend, ob es zu dem Patent kommt und wenn ja, in wie weit Vastr das verletzen würde. Ein Treffen mit einem Patentspezialisten wird aber gerade in die Wege geleitet. Zusätzlich stehe ich seit neuestem in Kontakt mit einem renovierten Professor in diesem Bereich, sodass eine wissenschaftlich
korrekte Version außerhalb des Patentantrags dabei entstehen könnte.

Was sind eure nächsten Schritte?

Insgesamt teilt es sich in zwei Gebiete auf: Funktional betrachtet steht aktuell die „Vastr Live Edition“ ganz weit oben auf der ToDo-Liste, aus der dann auch langfristig Browser-Plugins folgen könnten. Ein anderer Wunsch, der häufiger geäußert wurde, ist die Texterfassung über einen PDFUpload zu unterstützen, den wir in näherer Zukunft erfüllen möchten. Da wir immer wieder neue Ideen und Ansätze haben, wie die Leseerfahrung verbessert werden kann, arbeite ich mich parallel in die wissenschaftlichen Aspekt der Thematik ein. Mit der nötigen wissenschaftlichen Expertise eröffnen sich gerade spannende Möglichkeiten und ich freue mich sehr darauf, was im Rahmen der Zusammenarbeiten dabei herauskommt.

Vielen Dank für das Interview!

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2 Responses to vastr – Das Open Source-Spritz aus NRW

  1. Till sagt:

    wo finde ich einen link zum projekt?

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